Meditationsanleitung für Anfänger:
Die Gefühle

wie Gefühle unser Leben beeinflussen

Mit den Gefühlen ist es ein bisschen wie mit den Gewürzen beim Essen: sie spielen eine große Rolle dabei, für wie gut genießbar wir das Leben halten. Und so, wie wir von den Eltern lernen zu kochen, lernen wir auch von ihnen, welche Gefühle wir häufig „verwenden“ dürfe oder sollen. So beginnen wir zu glauben, das äußere Leben würde bestimmen, was wir fühlen. Aber das ist eine Illusion. Wir bestimmen es selbst, obwohl wir uns dessen eben oft nicht bewusst sind. Schon von klein auf lernen wir im Elternhaus und unserem sozialen Umfeld, mit welchem Gefühlen wir uns bestimmten Lebenssituationen stellen dürfen oder sollen. Manche Gefühle sind erlaubt oder sogar sehr willkommen, andere werden uns verboten oder wir werden sogar dafür bestraft, sie zu leben. Aber je nach persönlicher Anlage haben wir eben auch die „verbotenen“ Gefühle. Oder wir haben von den scheinbar erwünschten Gefühlen weniger, als wir auszuleben versuchen. So entstehen Spannung und Widerstand zwischen uns und der Welt. Eine der beiden Seiten passt nicht zur anderen und das Resultat ist oft genug eine Stimmung des Unglücklichseins. Gelingt es uns dagegen, unsere Gefühle authentisch und im richtigen Maß (und ausreichend verträglich für die anderen Menschen in unserer Umgebung) zu leben, fühlen wir uns wohl, ausgeglichen und am richtigen Platz im Leben.

Hinter jedem Gefühl steckt eine lebensbejahende innere Wahrheit. Wir finden sie aber weder in dem Gefühl selbst noch in den Aktionen, die aus ihm resultieren. Sie liegt dahinter. Dieser Wahrheit zu folgen statt dem Gefühl geschafft eine tiefe, beglückende Verbindung zwischen dem Innen und dem Außen.

bewusst oder „gesteuert“: der Umgang mit Gefühlen

Weit mehr, als wir uns dessen bewusst sind, bestimmen die Gefühle unseren Umgang mit dem Alltag. Etwa so: wenn uns ein Mensch sympathisch ist, dann (er-)finden wir Gründe, warum es ein guter Mensch ist und sind viel geneigter, ihm Verfehlungen zu verzeihen. Ist uns jemand unsympathisch, (er-) finden wir genauso spielerisch Gründe gegen ihn. Wir wissen quasi genau, warum er oder sie nicht in Ordnung ist. Weckt eine Situation in uns Gefühle, die wir mögen, dann fühlen wir uns in ihr sicher und wohl. Erweckt sie Gefühle, die wir nicht mögen, entwickeln wir Widerstand gegen diese Situation. Das läuft normalerweise völlig unbewusst ab, so dass wir uns selbst in scheinbar sachlichen Situationen letztlich oft gefühlsgesteuert verhalten. Und nicht einmal zwangsläufig authentisch. Meditation kann hier dabei unterstützen, einen wahrhaftigen Zugang zu den Gefühlen zu finden, der weder blinde Aktionen noch inneren Widerstand erzeugt. Die Meister der inneren Einkehr haben genau so viele Gefühle wie alle anderen Menschen. Nur können sie sich davon lösen, sie blind auszuleben. Sie bleiben auch angesichts von unangenehmen Gefühlen in einer tiefen und authentischen Verbindung mit sich selbst.

in der Meditation die Gefühle ergründen

Gleichgültig, ob Sie manche Gefühle verbergen oder andere im Übermaß ausleben: wir alle verfügen über einen großen Reichtum an ihnen und in all ihrer Vielfalt stehen sie in engem Zusammenhang zum wahren Wesen, dass in uns lebt oder eben manchmal noch schläft. Deshalb bietet es sich an, über Gefühle zum inneren Kern vorzudringen. Zur eigenen Wahrheit, die uns mit der äußeren Wahrheit des Lebens verbindet. Erfahrungsgemäß empfiehlt sich hier ein Wechselspiel aus angenehmen und unangenehmen Gefühlen. Wir können sie einfach erschaffen. Das tun wir alle jeden Tag unzählige Male. Zum Beispiel dann, wenn wir in einer schönen Erinnerung schwelgen, an einen geliebten Menschen denken, uns beispielsweise auf ein schönes Abendessen freuen oder die Wärme der Sonne genießen. Aber auch dann, wenn wir aus Angst heraus versuchen, Sicherheit zu erschaffen, einen unsympathischen Menschen meiden, den Alltag als Überforderung empfinden oder an etwas vergangenes um keinen Preis denken wollen. Ständig erschaffen wir Gefühle, die oft genug mit dem Hier und Jetzt gar nichts zu tun haben. Immer dann, wenn diese Gefühle eine innere Spannung erzeugen, versuchen wir diese Spannung durch äußere Aktionen abzubauen. Die Meditation in die Gefühle hat die Macht, uns auch unabhängig von äußeren Gegebenheiten in Kontakt mit der inneren Wahrheit zu bringen und diesen Kontakt aufrecht zu erhalten. Immer deutlicher wird dabei, dass manche unserer Gefühle lediglich Illusionen sind, die wir erschaffen, um das Leben so – zumindest scheinbar – besser bewältigen zu können.

Anleitung für eine Meditation in die Gefühle

Das Ziel der Meditation in die Gefühle ist es, die automatischen Abläufe zu entkoppeln und aufzulösen, zu denen wir angesichts bestimmter Gefühle neigen. Dabei lernen wir ganz von selbst immer mehr die Vielfalt unserer Gefühlswelt kennen und anzuerkennen. Denn es gibt keinen Grund mehr, unangenehme Gefühle zu vermeiden. Wir dürfen sie einfach betrachten. Sie bringen uns dann nicht mehr in Schwierigkeiten, weder im Innen noch im Außen. Wenn wir das nicht wollen. Immer mehr wird dadurch deutlich: Ich bin nicht meine Gefühle. Sie sind etwas, das ich erschaffe, wenn ich mit Menschen, Informationen oder Situationen zu tun habe. Äußere Umstände können meine Gefühle weit weniger erzwingen, als ich das bisher glaubte. Ich bin viel freier, meine Gefühle selbst auszuwählen, als ich bisher dachte.

Wenn Sie die Meditation in die Gefühle die ersten Male für sich ausprobieren, wählen Sie am besten vergleichsweise milde Gefühle. Jenseits der tiefen Abneigung, jenseits der großen Liebe. Erst wenn sie diese ersten Gefühle durchdrungen und geklärt haben, wenden Sie sich größeren Aufgaben zu. Allerdings zeigt die Erfahrung: das aus dieser Meditation entstehende Glücksgefühl schenkt von allein die Kraft, sich diesen größeren Aufgaben zuzuwenden.

Hilfreiche und wertvolle Einstiege in die Meditation in die Gefühle können auf der „angenehmen“ Seite sein:

  • Gedanken an einen Arbeitskollegen, den Sie mögen
  • eine Fernsehsendung, die Sie mögen
  • ein schöner Sonnentag, an den Sie sich erinnern
  • die Erinnerung an eine wohltuende Massagen oder ein angenehmes Bad
  • etc.

auf der „umangenehmen“ Seite können dies gute Einstiege sein:

  • die Erinnerung an einen langweiligen Tag
  • eine „kleine“ Enttäuschung in einem Restaurant
  • jemand hat Sie ein paar Minuten warten lassen
  • beim Bäcker war ihr Lieblingsgebäck ausverkauft
  • etc.

Für Anfänger: Die Gefühle in der Meditation lösen

Sicher finden sie selbst noch mehr sanfte Einstieg in in die Meditation in die Gefühle. Hier eine Anleitung, wie Sie durch diese Gefühle hindurch Kontakt mit ihrer inneren Wahrheit aufbauen und stärken können:

  • setzen oder legen Sie sich so hin, dass Ihr Körper ausreichend Bequemlichkeit empfindet
  • sorgen Sie dafür, dass Sie nicht gestört werden
  • alternativ: beziehen Sie die „Störungen“ in die Meditation einfach mit ein
  • auch das Gefühl „eigentlich habe ich gar keine Zeit“ kann ein guter Ausgangspunkt für diese Meditation sein
  • wenn möglich, empfinden Sie die wohl tuende Leere des Moments, solange Ihnen dies möglich ist
  • lassen Sie das gewünschte (angenehme/positive) Gefühl entstehen und beobachten Sie, wie dieses Gefühl Ihre Selbstwahrnehmung verändert
  • wechseln Sie nun in die andere (unangenehme/negative) Gefühlsseite und beobachten Sie die Veränderungen
  • wechseln Sie nun so lange hin und her, bis Sie die Gefühle, die ausgelösten Spannungen und sonstigen Reaktionen als Illusion erspüren können. Dies kann einige Zeit dauern, aber es lohnt sich.
  • Finden Sie das gemeinsame auf beiden Seiten Ihre Wohlfühlgrenze: was ist immer gleich? Was ist der innere Kern, von dem aus Sie die Illusionen erschaffen?
  • Wenn Sie sich in einem Gefühl „verfangen“ sollten: Die bewusste Frage „Was ist hier und jetzt wirklich real?“ hilft beim Aussteigen

Für Fortgeschrittene: bewusste Meditation in die Gefühle hinein

Fortgeschrittene bei der Meditation in die Gefühle können danach oder zusätzlich Folgendes tun:

  • erschaffen Sie wie oben abwechselnd eher positive und eher negative Gefühle
  • bleiben Sie währenddessen in Kontakt mit dem inneren Kern, der von diesen Gefühlen unbeeinflusst bleibt
  • entscheiden Sie, mit welchem der auftretenden Gefühle Sie sich nun in ihrem Sein – Hier und Jetzt – intensiv verbinden möchten
  • greifen Sie sich dafür wahllos Gefühle heraus, jedenfalls nicht nur die angenehmen
  • erleben Sie so tief wie möglich, wie es ist, sich aus dieser Verbindung wieder zu lösen: so, dass das Gefühl zwar anwesend ist, es Sie aber nicht ergreift
  • wenn Sie dies mit den „echten“ fühlen gemeistert haben, nehmen Sie nun auch stärkere Emotionen mit in die Meditation

Vom Anfänger zum Meister: Mit den Gefühlen bewusst spielen

Die angehenden Meister der Meditation in die Gefühle können dann – wenn sie das überhaupt noch möchten – zu diesem Schritt übergehen:

  • wählen Sie eine Aktion aus, die Sie – ursprünglich verbunden mit einem unangenehmen Gefühl – durchführen werden (z.B. das Gespräch mit jemandem suchen, der Sie enttäuscht hat, jemanden um Entschuldigung bitten, etc.)
  • bleiben Sie sich der Aktion bewusst und lösen Sie sich von dem unangenehmen Gefühl
  • erschaffen Sie ein angenehmes Gefühl, beispielsweise das der Neugier, des Verliebtseins oder der Erleichterung
  • verbinden Sie nun in einer Meditation die Aktion mit diesem erwünschten Gefühl
  • führen Sie die Aktion schließlich auch in der Realität innerhalb dieses Gefühls aus

Geben Sie sich ein wenig Zeit für die ersten Schritte in dieser Meditation. Wobei natürlich auch das Gefühl der Ungeduld ein wunderbarer Ansatz dafür sein kann.

Ich wünsche Ihnen von Herzen Freude und angenehmes – klärendes – Erleben mit dieser Anleitung. An manchen Tagen wird ihnen diese Meditation leichter fallen als an anderen. Nichtsdestotrotz ist jede einzelne Meditation in die Gefühle ein Schritt hin zu ihrer inneren Wahrheit und zu einem bewussteren Leben.

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